Kunst Kopien, Replikate und Faksimile

Alte Meister, Impressionisten, Expressionisten, zeitgenössische Maler, die Geschichte hat viele geniale Künstler hervorgebracht, deren Malerei von überragender Qualität ist und Sammler fasziniert. Auf der anderen Seite noch viel mehr Maler, deren Talent eher begrenzter Natur war und ist, teils dekorativ, teils eher ernüchternd.

Erstere sind im Original meist teuer und wer nicht den Gegenwert eines Autos oder auch signifikant mehr für ein einzelnes Gemälde ausgeben will, steht schneller vor der Qual der Wahl: Lieber eine gute Kopie oder ein schlechtes Original. Klingt plakativ, die eigene Qualifikation des Autors beschränkt sich allenfalls auf naive Malerei, aber es ist dennoch wahr. Es existieren Myriaden an Werken, die vielleicht irgendwann einmal einen Liebhaber finden, objektiv betrachtet aber nicht durch eine besondere Schöpfungshöhe glänzen und vielleicht lieber auf dem Dachboden geblieben wären, dem sie der eifrige Entrümpler zum Verkauf als „Echtes handgemaltes Ölgemälde“ entrissen hat.

Zurück zur großen Kunst: Neben der Lithografie, einer altbewährten Drucktechnik mit der Künstler schon vor langer Zeit begannen, eine große Nachfrage einfacher und günstiger decken zu können, existieren heute ausgefeilte moderne Druckverfahren.

Die Dietz Replik

Das patentierte Siebdruckverfahren setzt auf einen Schichtauftrag, die Farben werden nicht wie beim herkömmlichen Druck plan aufgebracht, sondern in bis zu 180 Schichten aufgetragen. Dadurch entsteht eine Plastizität, ein Duktus wie beim Original, noch verstärkt dadurch, dass auch das Originalmedium (Leinwand, Pappe, Holz, Kupfer, Papier, etc.) verwendet wird. Diese Art der Kopie, eher ein Faksimile das selbst im Streiflicht von Experten ohne Sichtung der Rückseite kaum unterscheidbar ist, bildet die Königsklasse und verdient das Prädikat „Museumskopie“.

Der große Nachteil: Rein anhand von Fotos ist eine solche Replik nicht möglich, sie setzt einen speziellen Scan des Werkes voraus. Die Auswahl an Werken die mit dieser Technik, in jeweils limitierter Auflage, von Dietz bzw. der Firma Dietz Offizin hergestellt werden und wurden, ist mit wenigen Hundert vergleichsweise gering.

Neuere Dietz Repliken und noch nicht ausverkaufte Auflagen finden sich auf der offiziellen Webseite Dietz Offizin, es gibt diverse Weiterverkäufer wie etwa Ars Mundi, aber am günstigsten kauft man direkt beim Dietz. Zudem tauchen auch immer wieder gebrauchte Dietz Repliken bei Ebay auf, meist trotz Top Zustand erheblich billiger.

Der Fine Art Print, auch Giclée Druck

Ein Großteil aller modernen Kunstkopien wird seit Beginn der 1990er Jahre nach diesem Verfahren hergestellt. Hierbei kommen High End Tintenstrahldrucker zum Einsatz, die mit bis zu 12 Farben auch in großen Formaten perfekte Qualität auf einer Vielzahl an Druckmaterialien abliefern. Die Qualität und Auflösung dieser Drucker hat wenig mit dem Tintenstrahler für zu Hause gemein und lässt sich als hervorragend bezeichnen.

Der große Vorteil des Kunstdrucks ist, dass bei genügend hoher Auflösung des Fotos bzw. Dias auch der Erhaltungszustand des Originals auf der Kopie wiedergegeben wird, etwa Craquelure/Krakelee, kleine Farbabriebe, der Zustand des Firnis. Er wirkt dadurch nicht moderner oder perfekter als das Original, wie es etwa bei Lithografien der Fall ist.

Gute Anbieter die wir persönlich empfehlen können sind Biller Antik und Kunstkopie.de, beide bieten den Druck auf Büttenpapier und Leinwand, gerahmt und ungerahmt. Biller bietet extrem gute Preise inkl. eines schönen Rahmens, allerdings ist die Auswahl nicht ganz so hoch wie bei Kunstkopie. Letztere bieten bei Leinwanddruck auch eine spezielle Firnisveredelung an, wodurch gerade ältere und dunklere Gemälde dem Original noch näher kommen.

Replikate

Replikate sind von Hand gefertigte Kopien, die sich stark am Original orientieren, in die aber auch immer die persönliche Interpretation des ausführenden Künstlers einfließt. Replikate aus Deutschland weisen oft eine überdurchschnittliche Qualität auf, sind aber unter 2000€ kaum zu finden, reichen bei sehr aufwendigen Originalen und bekannten Kopisten auch mal bis zu 10000€. Die im Internet angebotenen „echten Ölgemälde“ werden fast ausschließlich in China gefertigt, dort existieren ganze Malerdörfer in denen auf jeweils einen Stil oder sogar Künstler spezialisierte Maler Kopien wie am Fließband malen. Die Qualität schwankt, von eindrucksvoll bis hin zu eher einfach, dafür liegen die Preise mit 300-1000€ wesentlich niedriger als Ware aus Deutschland. Bei manchen Anbietern kann eine Detailstufe, bzw. ein Qualitätslevel gewählt werden.

Replikate wirken meist wesentlich neuer als das Original, ein Unterschied der insbesondere bei Alten Meistern durch die Verwendung anderer Farben und die fehlende Alterung zu Tage tritt. Insgesamt ein Kompromiss, mit dem wir persönlich uns nicht anfreunden können, einerseits teurer als ein Druck, andererseits weiter weg vom Original.

Der Vorteil: Der Farbauftrag, der besonders bei einem sehr dicken und spachtelartigen Auftrag ist wie bei der Dietz Replik eine Plastizität gegeben, die dem reinen Druck bei Betrachtung aus der Nähe fehlt.

Fazit: Die Zeiten in denen mühevolle Kopien per Hand die einzige Möglichkeit waren, sich Kunstwerke bedeutender Maler ins Haus zu hängen, sind zum Glück vorbei. Moderne Verfahren zur Herstellung von Kopien demokratisieren Kunst in einer bisher noch nie dagewesenen Art und Weise, wecken ein viel breiteres Interesse an Kunst, abseits vermögender Sammler und Museen. Eine kleine Revolution.

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