Die Chiffoniere auch Wochenkommode und Herrenkommode genannt

Alles praktisch in Schubladen aufgeräumt und noch dazu platzsparend? Die Chiffoniere gehört zu den Möbeln, die nicht nur verdammt gut aussehen, sondern auch überragend in der Funktion sind. Hinter dem wohlklingenden französischen Namen verbirgt sich eine hohe Schubladenkommode, meist mit fünf bis sieben Schüben die entweder gleich oder unterschiedlich hoch sind. Weniger schmeichelhaft ist die Bedeutung des Wortes, es meint soviel wie „Lumpensammler“, ursprünglich war das Möbel als Aufbewahrungsort für viele Dinge die sonst keinen Platz im Haus fanden gedacht.

Trotz des französischen Namens fand dieses Möbel vor allem in norddeutschen und skandinavischen Raum eine besonders hohe Verbreitung, viele Chiffonieren auf dem deutschen Markt aus der Zeit des Empire (Klassizismus) und Biedermeier, dem frühen bis mittleren 19. Jahrhundert von etwa 1799 bis ca. 1848, stammen aus nördlichen Regionen.

Die Tiefe und Breite der Chiffoniere entspricht meist den Maßen die man von Kommoden aus der gleich Zeit kennt, eine Biedermeierchiffoniere ist somit meist um die 40-60cm tief und um die 100cm breit, lediglich die Höhe unterscheidet sich mit oft stattlichen 150cm von der kleinen Schwester.

Wichtig ist eine Abgrenzung zum Chiffonier, das „e“ am Ende macht einen entscheidenden Unterschied, auch wenn sich das Wort vom französischen Chiffoniere ableitet. Gemeint ist hier ein englisches oder amerikanisches Möbel, ebenfalls eine Kommode, die oft aus Rosenholz gefertigt ist und meist einen Aufsatz in Form eines Spiegels o.ä. besitzt und kleiner ist, also eher eine Mischung aus klassischer Kommode oder Poudreuse (Schminkkommode). Sehr ähnlich, aber nicht gleich.

Ebenfalls gerne verwechselt wird die Chiffoniere mit dem Sekretär der in der Form eines Secretaire a abattant daherkommt, vor allem wenn sie im oberen Bereich eine größere Schublade hat. Ein Sekretär besteht aber nicht nur aus Schubladen, sondern hat ein ausklappbares Tischchen, hinter dem sich ein Innenleben mit vielen kleinen Fächern und Schubladen verbirgt. Wichtig beim Onlinekauf, denn auf Fotos im geschlossenen Zustand ist nicht immer eindeutig erkennbar, worum es sich handelt. Daher empfielt es sich gerade bei Internetkauf sehr genau auf die Bilder zu sehen, ansonsten hat der Käufer eine Chiffoniere schnell unerwartet eine Schublade in der Hand, die sich bei näherer Betrachtung als Schreibfach entpuppt.

Die Chiffoniere wird gerne unter einem Oberbegriff subsummiert angeboten, in Auktionen auf Online Marktplätzen liest man oft Bezeichnungen wie Herrenkommode, Wochenkommode, Pfeilerkommode oder Hochkommode ohne die konkrete französische Bezeichnung.

Um es noch komplizierter zu machen: Eine Wochenkommode, französisch auch Semaniere oder fälschlich Semaniere, ist zwar eine Sonderform der Chiffoniere, aber eine Chiffoniere ist nicht automatisch eine Semaniere, denn sie hat nicht die für die Wochenkommode typischen 7 Schubladen, sondern nur 6. Im Englischen heißt die Semaniere übrigens Semanier, ohne das „e“ am Ende und anders als bei Chiffoniere und Chiffonier meint der Begriff sogar das exakt gleiche Möbel.

Und noch zum Schluss: Pfeilerkommode beschreibt eine Bauart, eine solche Kommode kann eine Hochkommode, aber auch ganz klein mit zwei Schüben sein.

Der geneigte Leser merkt: Welche Art von Möbel man vor sich hat und wie man es benennt, liegt manchmal im Auge des Betrachters. Eigentlich auch zweitrangig, denn entscheided ist, dass es gefällt!

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