Der Wert von antikem Schmuck

Die harte Realität gleich vorab: Beim Wert verhält es sich leider fast wie bei Möbeln. Handelt es sich nicht um ein besonders ausgefallenes Stück eines nahmhaften Künstlers oder eine bekannten Marke, hat somit einem Sammelwert, ist bei antikem Schmuck nur mit etwas Zeit auf Aufwand wesentlich mehr als der reine Materialwert zu erlösen, insbesondere beim Verkauf an Händler. Aber der Reihe nach:

Goldankauf Läden

In Großstädten sieht man sie an jeder Ecke, die Gold An- und Verkäufer und Leihhäuser. Geworben wird oft recht offensiv, mit Spitzenpreisen und sofortiger Auszahlung von Bargeld. Klingt ideal, um antiken Schmuck schnell und einfach zu veräußern. Ist es aber nicht, denn diese Händler interessiert nur der reine Edelmetallanteil, bei Schmuck in der Regel der Feingoldanteil. Dieser ist über einen kleinen Stempel auf dem Schmuckstück ersichtlich und reicht üblicher Weise in Deutschland von einem geringen Anteil von 333 über 585 bis hin zu 750. Weniger als z.B. bei Barren oder Goldmünzen, weil reines Feingold bei Schmuck viel zu weich und anfällig für Beschädigungen wäre.

Der Feingoldgehalt ist sehr leicht in den effektiven Goldanteil in Gramm umzurechnen. Die Formel ist „Gewicht des Schmuckstücks in Gramm : 1000 x Feingoldgehalt“. Bei einer 100g schweren Goldkette auf 585 Gold also:

100g : 1000 = 0,01g
0,01g X 585 = 58,5g

Wer mathematisch etwas begabter ist, hat es schon gemerkt, man kann natürlich auch über eine Prozentrechnung zum Ziel finden.

Nur für diesen Feingoldgehalt gibt es beim Goldankäufer oder Leihhaus Geld, nicht berücksichtigt werden üblicher Weise die verarbeiteten Edelsteine, da es keinen echten Markt für gebrauchte Edelsteine gibt und der Goldankäufer sich im Endeffekt immer nur auf dem Schmelzwert verlässt. Gerade bei antikem Schmuck, der oft üppig mit Edelsteinen, Bernstein oder Perlen gearbeitet ist und tendenziell einen geringeren Goldgehalt aufweist als moderne Schmuckstücke, eine schlechte Idee.

Juwelier

Wer zum Juwelier geht um ein Schmuckstück schätzen zu lassen, erhält meist als Taxierung den sogenannten Versicherungswert, als den Wert der die Wiederbeschaffung auf dem freien Markt den Endkunden kosten würde. Dieser entspricht aber nicht dem Wert, zu dem der Juwelier, der auch nicht von der Hand in den Mund leben kann und will, bereit wäre zu zahlen.

Im Gegensatz zum Leihhaus wird er auch enthaltene Edelsteine mit in die Kalkulation mit aufnehmen, weil er nicht das Einschmelzen sondern eher den Wiederverkauf im Sinn hat, leider aber nur zu einem geringen Anteil, denn der Schliff mit dem vor ca. 1910 Edelsteine geschliffen wurden ist gegenüber dem heute üblichen Varianten leider oft „minderwertig“. Der Altschiff weist im Gegensatz zu modernen Formen wie dem Brillantschliff weniger Facetten auf, somit hat z.B. ein Diamant weniger Glanz, er funkelt einfach nicht ganz so perfekt wie er könnte. Andererseits sind die größten und teuersten Diamanten der Welt teils nicht nach heutigen, modernen Maßstäben geschliffen, aber das sind Ausnahmestücke.

Hinzu kommt, und da sind wir wieder bei den Möbeln: Der Geschmack ist heute oft ein anderer, hochwertige Materialen aber schlicht, üppig und auffällig gearbeitete, schwere Stücke sind einfach nicht mehr so gefragt. Der Schmuck muss auch zum Business Abendessen mit Kunden genauso passen wie zum Opernbesuch.

Auktionshaus

Bei Versteigerungshäusern ist antiker Schmuck immer beliebt, die Objekte sind klein, einfach in Transport und Lagerung, kaum eine Auktion in der keine alten Schmuckstücke angeboten werden.

Hier lässt sich, ebenso wie bei Onlineauktionen (Achtung, bei Versand zusätzlich versichern, Pakete sind sonst nur bis 500€ versichert) noch am ehesten ein guter Preis für antiken Schmuck erzielen. Voraussetzung ist natürlich, dass das Auktionshaus auch die entsprechende Kundschaft hat, so wird ein einfache Perlenkette wahrscheinlich eher bei einem kleineren, weniger bekannten Haus einen guten Preis erzielen, das aufwendige Diamantcollier eher bei einem der großen mit weltweiter Kundschaft.

Summa summarum

Unter dem Strich gibt es zweifelsfrei immer noch viele Liebhaber alter Juwelen, wer sich etwas mehr Zeit mit dem Verkauf nimmt, wird oft mit einem besseren Erlös belohnt. Mehr wert als moderner Schmuck ist er aber selten, gerade im Rahmen eines Nachlasses sind die Erben oft enttäuscht wenn sie erfahren, welchen Marktwert die wohlgehüteten Stücke haben. Daher sollte ein Verkauf gut überlegt sein, denn auch wenn er nicht zu jedem Anlass tragbar ist, oft ist er zum Verscherbeln zu Schade.

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