Lauritz Test und Erfahrungen

Das börsennotierte Auktionshaus bzw. die Auktionsplattform Lauritz.com A/S ist einer der größten Anbietern antiker Möbel im skandinavischen Raum. Hervorgegangen ist die Firma, deren Hauptgeschäft die Auktionsplattform ist, aus einem familiengeführten Auktionshaus das schon 1885 gegründet wurde. Der Wandel zum reinen Onlinegeschäft und die Expansion starteten erst zur Jahrtausendwende. Inzwischen hat Lauritz neben dem Hauptsitz in Dänemark 26 Filialen, davon 13 in Dänemark, 7 in Schweden, 4 in Deutschland, eines in Belgien und eines in Norwegen.

Mitbieten kann jeder weltweit, die Registrierung läuft sehr unkompliziert, eine Kreditkarte zur Bezahlung ist aber Pflicht, denn die Begleichung von Rechnungen für ersteigerte Objekte läuft ausschließlich über den seriösen Drittanbieter AltaPay. Für jedes Objekt gibt es eine ordentliche Rechnung, inkl. Mehrwertsteuer, für Geschäftskunden die zum Widerverkauf in Deutschland einkaufen, gibt es die Möglichkeit eine Umsatzsteueridentifikationsummer zu hinterlegen.

Die Auswahl an Möbeln ist gigantisch groß, neben modernen Designklassikern aus den 50ern und 60ern (Arne Jacobsen, Charles Eames, Le Corbusier, Finn Juhl, Hans J. Wegner, Piet Hein, usw.) finden sich auch viele Antiquitäten, zeitliche Schwerpunkt Biedermeier und Historismus, vereinzelt auch Barock und dann meist Kommoden. Auch Uhrenliebhaber kommen besonders auf ihre Kosten, Omega, Tag Heuer, Rolex, Baume & Mercier, Breitling, alle Top Marken sind vertreten.

Die Suchfunktion funktioniert recht gut, ist aber nicht ganz fehlerfrei, ebenso wie die automatische Übersetzung aus dem Dänischen oder Schwedischen bei vielen Artikeln. Im Zweifel die Kategorienavigation zu bevorzugen. Schön: Der Auktionsalarm bzw. Suchagent, der individuell einstellbar ist und anschlägt, sobald ein neues Objekt dessen Titel oder Beschreibung einen bestimmtes Suchwort enthalten. Eine Macke auf der Webseite, die man kennen muss, ist die Paginierung: Ist man z.B. auf Seite 10 in der Kategorie Möbel und wechselt auf eine andere Kategorie, startet man dort ebenfalls auf Seite 10. Gibt es aber weniger Seiten, erhält man eine Fehlermeldung. Insgesamt ist die Webseite und auch die dazugehörige App eher schlicht gehalten, dafür überzeugen aber Angebot und auch die sehr detaillierten Fotos zu jedem Objekt.

Apropos Fotos, bei Lauritz.com kann man wirklich tolle Schnäppchen machen, so manche Biedermeier Kommode geht hier für unter 50€ über den Tisch, auch beliebte Möbel aus dem Neobarock oder Neorokoko erreichen selten mehr als 200€. Ein Eldorado für Käufer, allerdings empfiehlt es sich die Beschreibungen sehr genau zu lesen und sich auch bei den Fotos etwas Zeit zu nehmen. Bei Lauritz wird nichts geschönt, alle Macken, Abnutzungsspuren oder Beschädigungen sind immer eindeutig auf den Fotos erkennbar. Größere Schäden sind meist im Detail fotografiert, dennoch sollte man nicht zu sehr in Bietlaune verfallen, ohne das Objekt genau zu prüfen, denn einmal abgegebene Gebote können nicht mehr zurückgezogen werden. Der Anteil an günstigen Artikeln die nicht ganz im wohnfähigen Zustand sind, sondern kleinerer Restaurierungen bedürfen, ist hoch im Vergleich zu den traditionellen Auktionshäusern in Deutschland. Vieles davon ist aber auch für den Laien mit etwas Geschick behebbar, ohne gleich einen Restaurator zu beauftragen, man darf nur nie vergessen, dass Antiquitäten eben keine Neuware sind.

Eine großer Unterschied zu Ebay, der in Kundenbewertungen öfters kritisiert wird: Gibt jemand kurz vor Ende einer Auktion ein Gebot ab, verlängert sie sich automatisch um 2 Minuten. Hiermit soll verhindert werden, dass „Snipergebote“ in letzter Sekunde, oft automatisiert mit entsprechender Software, abgegeben werden. Wie bei der klassischen Präsenzauktion, der Zuschlag erfolgt erst, wenn wirklich kein Bieter mehr Interesse bekundet. Wir finden diese Regelung sehr fair, nicht nur für den Verkäufer, sondern auch weil der Interessent, der ohne spezielle Software vor dem Monitor sitzt, so ganz bequem ein weiteres, höheres Gebot abgeben kann und keinen Nachteil gegenüber denen die unlautere Mittel einsetzen hat.

Wichtig zu wissen: Wie bei einem normalen Auktionshaus fällt auch bei Lauritz ein sogenanntes Aufgeld für den Käufer an, also eine Entlohnung für die Dienste des Auktionshauses. Dieser beträgt 22,5% des Zuschlagpreises inkl. 15% lokale Mehrwertsteuer, oben drauf kommt noch eine pauschale Hammerschlaggebühr von 13€. Ersteigert man einen Artikel für 100€, kostet er also dementsprechend 135,50€, je höher der Preis, desto weniger fällt die Hammerpauschale ins Gewicht. Von der Höhe völlig ok, deutsche Auktionshäuser verlangen ebenfalls Aufgeld plus Mehrwertsteuer. Wer bisher nur Ebay kannte, ist aber hier möglicherweise überrascht, allerdings darf man nicht vergessen, dass Lauritz alles selbst lagert, fotografiert und verkaufsfertig macht, all das übernimmt was bei Ebay der Verkäufer selbst macht.

Konkrete Erfahrungen aus 5 Auktionen: Die Abwicklung und Bezahlung funktionieren reibungslos, alle Objekte entsprachen den Fotos. Die Versandkosten werden vorab angezeigt, allerdings versendet nicht Lauritz, die Angaben beziehen sich auf das von Lauritz empfohlene Unternehmen Windum, das man selbst (sehr komfortabel) per Onlineformular beauftragt und bezahlt. Man ist zwar frei in der Auswahl der Spedition, die kurz Abholfrist, nach der Lagergebühren anfallen würden, macht es aber schwierig, ein anderes Unternehmen von Deutschland aus zu beauftragen.

Windum liefert zuverlässig nach Hause, bis Bordsteinkante, allerdings überzeugt die Kommunikation nicht vollends. Erstmal Funkstille nach Beauftragung und Bestätigung des Transports, dann wird irgendwann kurzfristig die Lieferung angekündigt. Auch der Umgang mit den Objekten entspricht etwas mehr dem Stil klassischer Umzugsunternehmen als dem von Transporteuren von Kunstwerken und Antiquitäten. Sicher der Menge geschuldet, wir hatten keine Beschädigungen beim Transport zu beklagen, aber einige Kundenbewertungen legen nahe, dass man hier auch Pech haben kann. Da der Vertrag direkt mit Windum geschlossen wird, muss man sich unabhängig von der Empfehlung von Lauritz selbst mit dem Transporteur auseinandersetzen. Nicht dramatisch, aber suboptimal, auch wenn die Ware selbst zum Schnäppchenpreis erworben wurde.

Die Transportkosten liegen oft über den eigentlichen Kosten des ersteigerten Objekts, zumindest bei Möbeln müssen 150-250€, je nach Größe, eingeplant werden, was aber andererseits ein sehr guter Preis für den Transport von Skandinavien bis zur Haustür in Deutschland sind. Trotz dieser Kosten fährt man meist erheblich günstiger als beim Erwerb eines vergleichbaren Möbels in Deutschland. Steht das gute Stück in einer der deutschen Dependancen von Lauritz und ist vielleicht sogar paketversandfähig, erfolgt die Lieferung wesentlich günstiger, ab ca. 20€.

Fazit: Wer keine perfekt restaurierten Stücke sucht, keine besondere Betreuung und Beratung sucht und einige Wochen Transport verbunden mit den Speditionskosten nicht scheut, findet bei Lauritz eine riesige Auswahl. Diese kleinen Abstriche werden mit unfassbar günstigen Zuschlagpreisen belohnt, Zuschläge weit unter 100€ sind gerade bei Möbeln eher die Regel als die Ausnahme, bei vielen Auktionen gibt es nur wenige Bieter, mit etwas Glück ist man der einzige und erhält das Objekt zum Mindestpreis. Natürlich gilt auch hier: Außergewöhnliche Möbel in tadellosem Zustand werden nicht verramscht, auch bei Lauritz findet man heftige Bietergefechte mit Zuschlägen im vierstelligen oder gar fünfstelligen Bereich.

Reproduktionen und Fälschungen antiker Möbel

Kaum ein Thema erregt die Gemüter der Liebhaber antiker Möbel so sehr, wie Reproduktionen, kurz Repro genannt. Für die einen sind es plumpe Fälschungen, für andere je nach Qualität moderner Historismus. Ist es möglich, hier ein objektives Urteil zu fällen?

Wichtig ist es, erst einmal zu definieren, was der Unterschied zwischen einer Fälschung und einer Kopie ist. Eine Kopie ist der Nachbau eines Originals, prinzipiell auch das was zu Zeiten des Historismus beliebt war, in denen gerade barocke und spätbarocke Stilmöbel entstanden. Eine Fälschung ist ebenso eine Kopie, allerdings eine die vorgibt ein Original zu sein, aus einer anderen Zeit zu stammen. Genau an diesem Punkt wird es interessant, denn Kopie und Fälschung unterscheiden sich im Grunde nur in der Art und Weise in der sie beworben und verkauft werden, nicht in der Qualität oder dem Erscheinungsbild. Jede Fälschung ist eine Kopie, aber nicht jede Kopie ist eine Fälschung.

Viele Reproduktionen sind nur lose an die Zeit angelegt und an moderne Einrichtungsbedürfnisse angepasst, da finden sich etwa sechs- oder achtschübige Kommoden im Barockstil, weil riesige, breite Schubladen von knapp einem Meter weniger praktisch sind als die doppelte Anzahl kleinerer Schubladen.

Was die Qualität angeht, ist die Spanne bei Repros erheblich größer als bei den antiken Originalen. Neben extrem günstigen und handwerklich stümperhaften Kopien die oft in hohen Stückzahlen per Container den Weg nach Europa finden und überwiegend aus Asien und Nordafrika stammen, gibt es auch in alter Tradition und ohne moderne Techniken gefertigte Kopien oder sogar Weiterentwicklungen antiker Möbel, deren Schöpfer das Prädikat „Ebonist“ eindeutig verdienen und die auch der größte Kritiker eigentlich mit dem Prädikat „moderner Historismus“ im besten Sinne versehen müsste. Sinniger Weise stammen die aus den gleichen Fertigungsländern wie die schlechten Billigkopien.

Wie sieht es mit dem Preis und Wiederverkaufswert aus? Die qualitativ ganz schlechten Kopien sind unschlagbar günstig, das es sich nicht um ein Original handeln kann, sieht selbst der Laie, meist sogar schon anhand von Fotos. Der Wiederverkaufswert dieser Objekte ist nahe Null zu sehen. Nachbauten mittlerer Güte sind oft erstaunlich teuer, etwas günstiger als aufwendig restaurierte Originale, aber deutlich teurer als gut erhaltene, unrestaurierte „echte“ Stücke. Auch hier dürfte der Wiederverkaufswert dem moderner Möbel entsprechen. Zu deutsch: Wenn jemand 100€ auf den Tisch legt und das Möbel selbst abholt oder abholen lässt, darf man froh sein, weil die Sperrmüll Entsorgungskosten gespart sind. Richtig spannend wird es bei den wenigen absolut hochwertigen Reproduktionen, bei denen jemand mit- oder sogar weitergedacht hat. Der Markt ist hier noch viel zu kleine, um Prognosen zu wagen, aber das ein Stück wie etwa dieses hier in 50 Jahren eine erhebliche Wertsteigerung erfährt, ist durchaus denkbar.

Wer sich tiefer in die Materie einarbeiten möchte, um Reproduktionen und auch Umbauten aus alten Teilen sicher erkennen zu können, dem sei das Standardwerk von Martin Marquardt  empfohlen. Das Buch erfordert etwas Vorwissen, schildert aber unglaublich detailliert und mit vielen Fotos, worauf zu achten ist.

Möbelstile und Epochen bei antiken Möbeln

Die Möbelstile der unterschiedlichen Epochen sind eng verbunden mit dem Architekturstil der jeweiligen Zeit, Elemente die Gebäude aus einer Epoche auszeichnen finden sich oft auch in verkleinerter Form in Möbelnstücken wieder. Die einzelnen Epochen sind nicht strikt voneinander getrennt, gerade Möbel die in der Zeit zum Ende oder Anfang einer Epoche geschaffen wurden, weisen oft Merkmale beider Stilrichtungen auf.

Die folgende zeitlich Einordnung bezieht sich auf den deutschsprachigen Raum, in anderen Länder wie England oder Frankreich gibt es Abweichungen, auch sind gerade spätere Möbelstile teils je nach Land anders benannt.

1020-1250 Romantik Möbel aus der Romantik weisen viele verspielte Details auf, große Schwünge, sind aber dennoch sehr wuchtig und klobig gestaltet. Funktionalität oder Bequemlichkeit bei Sitzmöbeln spielten kaum eine Rolle. Außerhalb von Museen existieren praktisch keine Möbel aus dieser Zeit mehr. Wenn, ist der Erhaltungszustand sehr schlecht oder sie sind schlicht für normale Verhältnisse unbezahlbar.

1220-1520 Gotik Architektonisch eine der beeindruckendsten Epochen, auch bei den Möbeln finden sich die von gotischen Kathedralen bekannten Spitzbögen und Pfeiler wieder, aufwendige und ausladende Schnitz- und Dreharbeiten. Schränke aus der Zeit weisen ebenfalls üppige Schnitzereien auf, wirken aber immer noch wie überdimensionierte Kästen oder Truhen, oft mit massiven Beschlägen. Auch hier sind Originale nur noch im Museum zu finden, selbst Möbel im gotischen Stil aus dem 19 Jahrhundert erzielen oft noch fünfstellige Europreise bei Auktionen.

1520-1650 Renaissance Die Renaissance, zu Deutsch Wiedergeburt, ist die Widergeburt der Antike und das wirkt sich auch auf die Möbel dieser Stilepoche aus: Klare Linien statt der verschnörkelten gotischen Elemente, aufgesetzte Säulen, Sockel. Erstmals finden sich Intarsien, auch Einlegearbeiten oder Marketerie genannt.

1620-1770 Barock Nicht umsonst spricht man umgangssprachlich von barocken Formen, wenn ausladende Üppigkeit gemeint ist. Barocke Möbel haben keine geraden sondern geschwungene und bauchige Formen, senkrecht Wellen, aufwendige Marketerie, Vergoldungen. In Frankreich bildet sich in der Mitte des Barock der Louis-quatorze (14) Stil heraus, höfische, barocke Prunkmöbel. Ein besonders erwähnenswerter Meister seiner Zeit ist der französische Tischler André-Charles Boulle, der als Ebenist für den Königshof Weltruhm erlangte und bis heute als Ausnahmekünstler seiner Zunft gilt. Auch wenn man über Geschmack nicht streiten soll, der Barock spaltet die Antiquitätenfreunde: Einerseits stammen die prachtvollsten Möbel aus dieser Zeit, andererseits wirken sie teils protzig und übertrieben. Der auch in Deutschland gut auf Auktionen erhältliche Klassiker ist die dreischübige Barockkommode.

1730-1770 Rokoko Das Rokoko bildet keine eigene Stilepoche, vielmehr ist es eine besondere Form des späten Barock, etwas zurückhaltender, verspielter mit weicheren Formen, verstärktem Einsatz feuervergoldeter Bronze. Noch etwas ruhiger ist die Optik bei Möbeln aus dem englischen Rokoko, als Chippendale bekannt.

1760-1815 Klassizismus Der Klassizismus, oft auch gleichgesetzt mit der späten Form, dem Empire, bildet einen deutlichen Kontrast zum Pomp vorheriger Epochen, der von den absolutistischen Königshöfen in Frankreich geprägt waren. Er setzt im wahrsten Sinne der Wortes auf klassische, gerade Formen der Antike. Säulen, Giebel die an antike Tempel erinnern, geschlossene Formen ohne hervorspringende Schnitzereien, Löwenfüße, schwarze Kontraste.

1815-1850 Biedermeier Die wohl bekannteste Epoche von Möbelstilen, zeitlich beginnend mit dem Wiener Kongress. Ein großer Teil der Objekte auf dem Antiquitätenmarkt stammt neben dem Historismus aus der Zeit des Biedermeier. Von schlichter Schönheit kaum ein anderer Stil, ausgeprägter Schwerpunkt auf Funktionalität, gerade Linien und Formen. Der Name geht auf die fiktive Spottfigur „Gottlieb Biedermaier“ (sic, mit „a“ statt „e“) die in den „Fliegenden Blättern“, einem Münchner Satiremagazin der damaligen Zeit, karikiert wurde. Das erstarkende Bürgertum, die Rückbesinnung auf das Private, Einfachheit und Gemütlichkeit, wurde damals oft kritisch gesehen. Das späte Biedermeier überraschte dann wieder mit einer Trendumkehr und mündete in der Historismus.

1850-1910 Historismus Keine anderer Möbelstil bietet eine derartige Vielfalt, man könnte fast sagen „ein Kessel Buntes“.  Zum Ende des Biedermeier flammte noch einmal die Begeisterung für vergangene Epochen auf, es war die Zeit der sogenannten Stilmöbel, die nach altem Vorbild gefertigt wurden. Oft spricht man auch von Gründerzeit oder Neogotik, Neorenaissance und Neobarock. Für alle die an antiken Möbeln interessiert sind eine wunderbare Epoche, denn Stilmöbel stehen den alten Vorbildern in ihrer Qualität kaum nach und sind in großer Zahl auf dem Markt. Nicht unbedingt billig, Meisterwerke dieser Zeit kosten auch so viel wie ein Mittelklassefahrzeug, aber es gibt auch viele sehr gut erhaltene ausgesprochen schöne und günstige Historismus Möbel. Der Historismus ist keinesfalls zu verwechseln mit den neuzeitlichen Kopien und Reproduktionen antiker Möbel.

1900-1920 Jugendstil Elegant, verspielt und gleichzeitig modern. Weiche Kurven, Ornamente mit Blumen und Ranken. Heute denkt man bei Jugendstil vor allem an farbige Lampen, Kerzenständer mit halbnackten Tänzerinnen, mit wehenden Gewändern, Prozellen, Glasobjekte, Schmuck, die Leichtigkeit des Seins. Nicht ganz unbegründet, denn die Möbel der Zeit sind schön aber weit weniger spektakulär, als andere Einrichtungsgegenstände des Jugendstils.

1920-1940 Art Deco Im Art Deco kamen Formen auf, die man auch heute noch als modern, abstrakt oder sogar futuristisch ansehen würde. Hochwertige Materialien, glatte Hochglanz Oberflächen, starke farbliche Kontraste, ein eher industrielles Design.

Diese kurze Aufstellung kratzt natürlich nur an der Oberfläche, wer sich für Stilkunde und Möbelgeschichte interessiert, sollte unbedingt einen Blick auf „Das 1×1 der Möbelantiquitäten“ von Bernhard Valta werfen. Das schön bebilderte Buch liefert einen exzellenten und umfangreichen Überblick. Kein Ersatz für ein Studium der Kunstgeschichte, aber nach der Lektüre darf man sich durchaus als Möbelkenner bezeichnen.

Die Chiffoniere auch Wochenkommode und Herrenkommode genannt

Alles praktisch in Schubladen aufgeräumt und noch dazu platzsparend? Die Chiffoniere gehört zu den Möbeln, die nicht nur verdammt gut aussehen, sondern auch überragend in der Funktion sind. Hinter dem wohlklingenden französischen Namen verbirgt sich eine hohe Schubladenkommode, meist mit fünf bis sieben Schüben die entweder gleich oder unterschiedlich hoch sind. Weniger schmeichelhaft ist die Bedeutung des Wortes, es meint soviel wie „Lumpensammler“, ursprünglich war das Möbel als Aufbewahrungsort für viele Dinge die sonst keinen Platz im Haus fanden gedacht.

Trotz des französischen Namens fand dieses Möbel vor allem in norddeutschen und skandinavischen Raum eine besonders hohe Verbreitung, viele Chiffonieren auf dem deutschen Markt aus der Zeit des Empire (Klassizismus) und Biedermeier, dem frühen bis mittleren 19. Jahrhundert von etwa 1799 bis ca. 1848, stammen aus nördlichen Regionen.

Die Tiefe und Breite der Chiffoniere entspricht meist den Maßen die man von Kommoden aus der gleich Zeit kennt, eine Biedermeierchiffoniere ist somit meist um die 40-60cm tief und um die 100cm breit, lediglich die Höhe unterscheidet sich mit oft stattlichen 150cm von der kleinen Schwester.

Wichtig ist eine Abgrenzung zum Chiffonier, das „e“ am Ende macht einen entscheidenden Unterschied, auch wenn sich das Wort vom französischen Chiffoniere ableitet. Gemeint ist hier ein englisches oder amerikanisches Möbel, ebenfalls eine Kommode, die oft aus Rosenholz gefertigt ist und meist einen Aufsatz in Form eines Spiegels o.ä. besitzt und kleiner ist, also eher eine Mischung aus klassischer Kommode oder Poudreuse (Schminkkommode). Sehr ähnlich, aber nicht gleich.

Ebenfalls gerne verwechselt wird die Chiffoniere mit dem Sekretär der in der Form eines Secretaire a abattant daherkommt, vor allem wenn sie im oberen Bereich eine größere Schublade hat. Ein Sekretär besteht aber nicht nur aus Schubladen, sondern hat ein ausklappbares Tischchen, hinter dem sich ein Innenleben mit vielen kleinen Fächern und Schubladen verbirgt. Wichtig beim Onlinekauf, denn auf Fotos im geschlossenen Zustand ist nicht immer eindeutig erkennbar, worum es sich handelt.

Die Chiffoniere wird gerne unter einem Oberbegriff subsummiert angeboten, in Auktionen auf Online Marktplätzen liest man oft Bezeichnungen wie Herrenkommode, Wochenkommode, Pfeilerkommode oder Hochkommode ohne die konkrete französische Bezeichnung.

Der Antiquitätenmarkt im Wandel der Zeit

In kaum einer Branche haben sich die Preise und Gewohnheiten der Käufer in den letzten Jahrzehnten so gewandelt wie im Antiquitätenmarkt. Noch bis in späte letzte Jahrhundert wurde der Markt komplett von altehrwürdigen Auktionshäusern und klassischen Antiquitätenhändlern dominiert, doch dann kam nicht nur das Internet, sondern die Preise erfuhren gerade im Bereich Möbel und Einrichtung einen empfindlichen Abschwung. Noch in den 1980ern galt es als Zeichen von Wohlstand und Status, sich komplett mit antiken Möbeln einzurichten, eine Selbstverständlichkeit für alle die es sich leisten konnten oder wollten. Die jüngere Generation aber übernahm nicht die Gewohnheiten der Eltern und Großeltern, setzte eher auf einen Mix aus alt und modern, mit wenigen antiken Objekten als Highlight. Wertstabil blieben nur ganz hochwertige und seltene Stücke, Objekte die namhaften Schöpfern zugewiesen werden können oder eine ganz besondere Provinenz, etwa aus adeligem Besitz, ausweisen.

Bedeutet andererseits: Antiquitäten ohne besondere Seltenheit, die deswegen nicht minder gediegen aussehen, sind günstig wie nie zuvor, insbesondere wenn es kein perfekt restauriertes Stück vom Antiquitätenhändler oder Restaurator sein muss. Auch die Auswahl ist dank Internet viel größer als noch zur Jahrtausendwende, neben reinen Online Playern wie Ebay entdecken auch klassische Auktionshäuser immer stärker das Netz als Absatzkanal, schließen sich auf Plattformen zusammen oder veröffentlichen zumindest aktuelle Auktionskataloge und Nachverkaufslisten auf ihren Webseiten, nutzen Live Streaming für Präsenzaktionen.

Im deutschsprachigen Raum kommt hier vor allem Lot-Tissimo eine große Rolle zu, die Plattform aus Hamburg bietet nicht nur die Möglichkeit bebilderte Onlinekataloge zu erstellen, sondern bietet registrierten Interessenten auch die Möglichkeit, direkt per Vorgebot oder Livesystem während zu bieten. Für Verkäufer ändert sich hierbei nichts, die Objekte werden wie gewohnt im Auktionshaus eingeliefert, fotografiert und taxiert, sie sind aber einer viel größeren Anzahl an potentiellen Kunden zugänglich. Durch diese Aufhebung der Beschränkung auf Interessenten und Bieter die vorab einen gedruckten Auktionskatalog erworben haben und/oder im Auktionssaal sitzen, gewinnen alle: Mehr Auswahl für Bieter, höhere Aufmerksamkeit und höhe Abverkaufsrate für die Auktionshäuser.

Noch einen Schritt weiter sind viele Auktionshäuser in Skandinavien, vor allem Dänemark und Schweden. Hier ist ein starker Konzentrationsprozess sichtbar, weg von der Präsenzauktion, hin zu reinen Onlineauktionen mit den Marktführern Lauritz und Auctionet die weltweit anbieten und mit Webseiten in vielen verschiedenen Sprachen aufwarten oder sogar eigene Apps für Android und das iPhone anbieten. Ansonsten ist der Ablauf wie auch vor Zeiten des Internet: Der Verkäufer liefert die Waren ein, das Auktionshaus schätzt und fotografiert, nach der Auktion kann das ersteigerte Lot entweder kostenfrei vor Ort abgeholt werden oder per Spedition geliefert werden. Hier lassen sich besonders gut Schnäppchen machen, so kommt z.B. eine gut erhaltene Barockkommode die in Deutschland im mittleren vierstelligen Eurobereich liegt hier selten für mehr als tausend Euro unter den Hammer, Klassiker wie die Biedermeierkommode gehen teils unter hundert Euro auf die Reise zum neuen Besitzer. Nachteil sind lediglich die recht hohen Transportkosten, die gerade bei günstigen Stücken oft den Kaufpreis übersteigen.

Eine Hybrid zwischen diesem Modell und Ebay bietet Catawiki aus den Niederlanden, der weltweit expandierende Anbieter hat zwar im Gegensatz zu völlig offenen Plattformen wie Ebay Experten und Kunsthistoriker, die alle Auktionen freigeben müssen und den Wert des Objekts vorab schätzen, die Fotos werden aber vom Verkäufer nach Vorgaben erstellt und auch der Versand erfolgt direkt durch den Verkäufer.

Last but not least bleiben natürlich noch Ebay und Ebay Kleinanzeigen, beide eine wahre Fundgrube für Antiquitäten in allen Preislagen, nirgendwo sonst ist die Auswahl größer. Der Nachteil für Käufer bei Ebay sind die teilweise höheren Preise, denn obwohl hier nicht wie eigentlich bei Auktionen üblich ein Aufgeld für den Käufer anfällt, finden sich immer weniger Auktionen von privat, sondern in manchen Bereichen fast nur noch Festpreisangebote von professionellen Antiquitätenhändlern. Zudem ist die Plattform so populär, dass selbst hochwertige Objekte die mit einem Euro Startpreis eingestellt werden so gut wie nie unter dem üblichen Marktpreis zugeschlagen werden. Ideal für die Verkäufer, die so fast immer einen guten Verkaufspreis erzielen können, für Schnäppchenjäger ein eher schwieriges Pflaster.

Etwas anders ist die Situation bei Ebay Kleinanzeigen, hier stellt vor allem bei sperrigen Möbeln der selbst zu organisierende Transport aber oft ein gewisses Hindernis dar, zudem sollte man Vorsicht bei den Angaben der privaten Verkäufer walten lassen. Oft aus Unwissenheit und ohne böse Absicht werden hier Stilmöbel oder sogar neuzeitliche Kopien als echt aus der Zeit verkauft, die der Rokkokosekretär entpuppt sich dann im schlimmsten Fall erst bei genauerem Hinsehen als mehr als 150 Jahre jünger als angenommen. Tolle Schnäppchen sind hier natürlich möglich, aber nur für den der ohne Sichtung durch einen Experten anhand von Fotos erkennen kann, worum es sich handelt.

Letzteres gilt aber ganz allgemein beim Kauf von Antiquitäten via Internet, wer ohne vorherige Besichtigung anhand von Fotos kauft, sollte die Beschreibung des Anbieters immer sehr genau lesen. Während sich normale Gebrauchsspuren/Altersspuren und ganz kleine Kratzer häufig mit speziellen Wachsen gut kaschieren lassen, erfordern Abplatzungen, Trockenrisse, Abbrüche, Aufwellungen von Furnier und größere Beschädigungen einiges an handwerklichem Geschick oder einen professionellen Restaurator, bevor das Objekt das Attribut „wohnfähig“ oder „stellfähig“ verdient. Genau deshalb sind die Preise der meisten Antiquitätenhändler auch signifikant höher als die im Auktionshaus, ob nun online oder offline, denn Händler präsentieren in der Regel nur makellose, frisch restaurierte Objekte mit per Hand aufgetragener neuer Schellackpolitur, in die dutzende Stunden an Arbeit geflossen sind.

Am Ende sei noch erwähnt, dass auch in der schönen neuen Onlinewelt nicht alles was glänzt auch Gold ist, denn es gibt auch ehemals sehr gekannte Onlineplattformen, die inzwischen ihre Pforten schließen mussten. Zum Beispiel Auctionata, ein Unternehmen das Live Auktionen per Stream im Internet durchführte und viele Millionen an Investorengeldern verschlang, bevor das Unternehmen Insolvenz anmelden mußte. Oder Ricardo.de, einst Liebling am Neuen Markt der Börse mit einer Marktkapitalisierung nahe der zwei Milliarden Euro, das seinen Betrieb einstellte, die Internetdomain wurde vom langfristig ungleich erfolgreicheren, gleichnamigen schweizer Unternehmen Ricardo.ch übernommen.